… und dann sagte er „Ich liebe dich“

Manchmal muss man nur etwas Geduld haben und alles wird gut. So war es zumindest bei Carola, 30. Und das sieht so aus: In gut drei Monaten wird sie heiraten, vier Wochen später in ihr selbst entworfenes Haus ziehen und wieder vier Wochen später zum ersten Mal Mama werden. Aber um hinter diese drei Wünsche einen Haken setzen zu können, musste Carola jede Menge Geduld beweisen und hartnäckig bleiben. Denn einfach war ihre Beziehung zu Paul, 34, anfangs nicht …

Carola und Paul bei ihrem ersten gemeinsamen Besuch bei Carolas Eltern (2012)


Offline hätten sie sich wohl nie getroffen

2011 schickten sie sich online die ersten Nachrichten. Offline hätten sie sich wohl nie getroffen: Denn sie wohnten 500 Kilometer voneinander entfernt und waren eigentlich auch nicht der Typ des anderen. „Ich fand lange Haare bei Männern immer total doof“, gesteht Carola. „Und ich war ihm mit meinen 1,55 m schlichtweg zu klein. Wären wir uns auf der Straße begegnet, hätten wir uns wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen.“ Doch Paul überzeugte durch seine Worte: „Andere Männer schrieben mir eher oberflächliche Texte, da hob er sich deutlich ab. Paul kam sehr bodenständig und authentisch rüber.“ Ehrlich war er zweifelsfrei: Das erste Telefonat begann der Energiemanager mit „Ich telefoniere gar nicht gern.“ Das Gespräch dauerte dann doch vier Stunden. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir, was Beziehungen angeht, die gleichen Vorstellungen haben. Wir wünschten uns für die Zukunft beide eine Familie und Kinder. Für ihn kam also nur was Festes in Frage, das stand fest.“

Der erste gemeinsame Urlaub der Beiden im Herbst 2012: Selfie vor dem Bryce Canion


“Den heirate ich mal!“

Nur war sich Paul zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz sicher, ob er dazu schon wieder bereit war. Denn seine letzte Langzeitbeziehung war erst wenige Monate vorher zu Bruch gegangen. „Ich fragte mich: Ist das mit Carola was Ernstes? Oder will ich einfach nur nicht allein sein?“, gesteht er. Bei Carola verhielt es sich ganz anders: „Ich war mir schon nach nur vier Wochen sicher für Zwei. Zu meiner besten Freundin sagte ich: Den heirate ich mal!“ Während Pauls Gefühle schwankten und er das auch offen kommunizierte, zog Carola alle Register. „Pauls Ehrlichkeit war zwar hart. Aber ich wusste zu jedem Zeitpunkt, was er fühlt, das hat mich für ihn eingenommen. Ich blieb, weil ich mir sicher war, dass es passt zwischen uns.“

Vier Monate nach dem Kennenlernen zog sie bei Paul ein und er buchte im Frühling schon einen gemeinsamen Urlaub für den Herbst. „Als er nach einigen Monaten zum ersten Mal ,Ich liebe dich‘ flüsterte, war mir klar, dass er das nicht einfach so daher sagt. Paul hatte eine Entscheidung getroffen.“ Für Carola. „Neun von zehn Frauen wären bei diesem Hin und Her gegangen“, ist er sich sicher. Und weiß es zu schätzen, dass Carola so ausdauernd war.

Auf den Malediven im Dezember 2013: ein Traumurlaub auf einer Barfußinsel …

„Ich war bereit Papa zu werden“

Während sie damals Nägel mit Köpfen machte, war es zuletzt Paul, der den nächsten großen Schritt einleitete. „Vor einem dreiviertel Jahr verkündete ich Carola, dass ich bereit sei, Papa zu werden.“ Ein Stupser, über den sich die stellvertretende Abteilungsleiterin im öffentlichen Dienst freute – und die Pille absetzte. Es klappte ganz schnell! „Als ich Paul den positiven Schwangerschaftstest präsentierte, konnte er‘s kaum glauben. Abends hat er sich im Bett ganz fest an mich gekuschelt, gelacht und gesagt: „Wir kriegen ein Baby!‘“

Der letzte gemeinsame Urlaub zu zweit, bevor es dann an Haus- und Kinderplanung ging (2017)

„Wir schätzen die kleinen Rituale im Alltag“

Obwohl ihr Leben gerade so grundlegend verändert, ist wahrscheinlich die Beständigkeit das Erfolgsgeheimnis der beiden. „Für uns muss nicht immer alles neu und anders sein“, erklärt Carola. „Wir schätzen die kleinen Rituale im Alltag.“ Sie und ihr Verlobter schlafen immer in derselben Position ein. Wenn er das Hauptgericht kocht, macht sie den Salat. Und eine neue Folge der Lieblingsserie würde keiner ohne den anderen gucken. Überhaupt machen sie so viel wie möglich zusammen: „Paul kommt sogar mit, wenn ich mir Schuhe kaufe. Wir waren auch gemeinsam auf der Baustelle und haben dem Zimmermann geholfen, die Holzbalken für unser Haus ins Fundament zu kloppen.“

Carola und Paul klopfen selbst die Holzbalken ins neue Haus


Jetzt läuten die Hochzeitsglocken

Klar gibt es auch mal Streit. „Paare, die behaupten, sie verstehen sich immer blendend, sind nicht aufrichtig“, findet Carola. „Aber wir diskutieren Sachen nicht tot. Wir keifen uns an und zwei Minuten später ist wieder alles in Ordnung. Einer sucht immer den Kontakt, weil wir es blöd finden, wenn man sich über längere Zeit die kalte Schulter zeigt.“ Dass vor der Geburt des Kindes geheiratet wird, war Carola wichtig. „Bei Paul hatte es nicht oberste Priorität, aber ich bin da altmodisch.“ Wie immer waren hier Kompromisse nötig: „Paul hat den Hochzeitsfotografen besorgt, weil er weiß, wie wichtig mir das ist. Und ich suche dafür kein Kleid mit Spitzenärmeln aus, weil ich weiß, dass er die nicht mag.“ Welche Ziele haben die beiden in naher Zukunft? „Überleben“, sagt Carola und lacht. „Nein, mal im Ernst. Das Schönste wäre, wenn wir weiter so glücklich bleiben dürfen, wie jetzt.“

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